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Interview Martin Kniepkamp


Geburtsdatum: 18.07.1980
Wohnort: Preußisch Oldendorf - Börninghausen
Dienstgrad: Brandinspektor
Funktion: stellv. Zugführer Zug 2
Löschgruppe: Börninghausen - Eininghausen

Interview Januar 2013

Was hat dich damals bewegt zur Feuerwehr zugehen?

Als Jugendlicher bin ich zunächst in den Feuerwehrmusikzug Eggetal eingetreten um ein Instrument zu lernen. Da viele Musiker auch in der Löschgruppe aktiv waren, hatte ich schon recht früh einen Einblick in deren Aktivitäten.

Im Alter von 17 Jahren bin ich dann nach einigen „Schnupperdiensten“ in die Feuerwehr eingetreten. 

Ich finde es erleichtert den Eintritt in eine Organisation oder einen Verein wenn man bereits Leute kennt oder mit Freunden gemeinsam eintritt. 

Die Aussicht später Ersatzdienst im Katastrophenschutz leisten zu können war auch ein weiteres Argument, aber sicher nicht der entscheidende Beweggrund in die Feuerwehr einzutreten.Martin Kniepkamp

 

Wie siehst du die Entwicklung der Feuerwehr seit Deinem Eintritt im Jahr 1997?

Die Feuerwehr muss sich immer neuen technischen oder gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Ich habe aber den Eindruck, dass gerade in den letzten Jahren viele Veränderungen auf die Kameraden zugekommen sind. 

Beispiele im Bereich Technik / Einsatztaktik dafür sind sicherlich die Vielzahl von Airbags in modernen Fahrzeugen, alternative Fahrzeugantriebe wie Gas oder Hybrid, Gefahren von Photovoltaikanlagen, der richtige Einsatz von Hohlstrahlrohren bei Bränden oder die Einführung des Digitalfunks. Dies erfordert viel Bereitschaft ständig neues zu lernen und weiter zu trainieren.
Es wird immer schwieriger das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr mit Beruf und Familie zu vereinbaren. Schichtdienst oder Wochenendarbeit erschweren die Teilnahme an Lehrgängen und Übungsdiensten. 

Gerade hier in einer eher ländlichen Region liegt der Arbeitsplatz oft weiter vom Gerätehaus entfernt. Dies macht neue Alarmierungskonzepte wie Tagesalarmbereitschaft oder zusätzliche Mitgliedschaft in der Feuerwehr am Arbeitsort erforderlich. 

Die finanziell angespannte Lage der öffentlichen Haushalte wirkt sich in den letzten Jahren zunehmend auch auf die Feuerwehr aus. Notwendige Investitionen oder Sanierungsmaßnahmen müssen immer weiter in die Zukunft verschoben werden.Martin Kniepkamp

 

Was hat dich bewogen deine jetzige Funktion auszuüben? Und diesbezüglich was ist für dich wichtig, wo liegen deine Prioritäten?

Ich möchte das Wissen das mir bei den diversen Lehrgängen auf Stadt oder Kreisebene sowie am Institut der Feuerwehr vermittelt wurde bei Übungen und Einsätzen praktisch anwenden und auf den Übungsdiensten an die Kameradinnen und Kameraden weitergeben.

Ich finde es wichtig nicht den Bezug zur praktischen Feuerwehrarbeit zu verlieren. 

Ich möchte auf die Wünsche, Anregungen und Kritik der Kameraden eingehen. 

Meine Prioritäten liegen bei der Aus- und Weiterbildung sowie darin die notwendigen Verwaltungsaufgaben möglichst einfach, effizient und transparent zu gestalten.Martin Kniepkamp

 

Wie sieht dein jetziges Aufgabenfeld aus?

Als stellvertretender Zugführer übernehme ich die Führung des Zuges bei Einsätzen und Übungen oder ich unterstütze den Zugführer / Abschnittsleiter als Führungsassistent. 

Bei größeren Einsätzen wie z.B. Unwetterlagen werde ich im Rahmen der örtlichen Einsatzleitung alarmiert. 

Um die Kreisleitstelle zu entlasten übernimmt dann diese örtliche Einsatzleitung die Koordination der eingesetzten Kräfte dem Gebiet der Stadt. 

Außerhalb der Einsätze unterstütze ich die Gruppenführer bei Verwaltungsaufgaben und bin z.T. die Kommunikationsschnittstelle zwischen den Löschgruppen und der Wehrleitung oder der Stadtverwaltung.

Auf Stadtebene arbeite in Arbeitskreisen wie z.B. Funk oder Geräteverwaltung mit.Martin Kniepkamp

 

Welche Ansprüche stellst du an deine Kameraden?

In erster Linie sollten die Kameraden zuverlässig sein. Im Einsatz müssen sich alle unabhängig von Dienstgrad oder Funktion aufeinander verlassen können. 

Jeder sollte auch seine eigenen Stärken und Schwächen einschätzen können, seine Fähigkeiten einbringen aber auch ehrlich äußern wenn er sich einer Aufgabe nicht gewachsen fühlt. Die Teamfähigkeit ist hier ganz entscheidend.  

Kritik sollte nicht persönlich sondern immer konstruktiv geäußert werden. 

Regelmäßige Teilnahme an Übungsdiensten, Lehrgängen etc. sind Voraussetzung dafür, dass im Ernstfall alle möglichst reibungslos zusammenarbeiten können. 

Die Kameradschaft darf natürlich auch nicht zu kurz kommen. Dazu kann jeder seinen Beitrag leisten.Martin Kniepkamp

 

Wie siehst du den Ruf der Feuerwehr im Stadtgebiet?

Umfragen zeigen, dass es in der Bevölkerung ein überwiegend positives Bild der Freiwilligen Feuerwehren gibt. Ich denke dies trifft auch auf unsere Stadt zu. Trotzdem muss man noch vereinzelt gegen veraltete Klischees und Vorurteile argumentieren.

In den einzelnen Ortsteilen wird die jeweilige Löschgruppe im Ort als Feuerwehr gesehen, die sich auch in der Dorfgemeinschaft engagiert. Ich glaube die übergeordnete Gesamtorganisation einer Feuerwehr auf Stadtebene, wird von der Bevölkerung nicht so stark wahr genommen.Martin Kniepkamp

 

Hat sich das Einsatzspektrum und die Anzahl der Einsätze in den letzten Jahren stark verändert?

Die Einsatzzahlen sind in den letzten Jahren ungefähr gleich geblieben. Ausnahmen bilden extreme Unwetter wie z.B. Stürme oder starke Regenfälle mit Überschwemmungen.

Tendenziell würde ich sagen dass die Löschgruppe zu etwas mehr Einsätzen mit technischer Hilfeleistung, Ölspuren und Menschen in Notlage alarmiert wurde.Martin Kniepkamp

 

Was war bis jetzt dein schönstes Erlebnis in deiner Feuerwehrkarriere?

Besondere Highlights waren sicher die Heißausbildungen in den Übungsanlagen „Firedragon 5000“ und „Firedragon 1000“ bei der Berufsfeuerwehr Braunschweig sowie die Ausbildung im Brandhaus in Lemgo.Martin Kniepkamp

 

Hattest du bei einem Einsatz schon einmal Angst?

Es sind immer Zweifel und eine gewisse Unsicherheit da, ob man selbst alles richtig macht oder die richtigen Entscheidungen getroffen hat. 

Positiv gesehen führt das aber dazu sehr aufmerksam zu sein, sowie ständig seine Handlungen und Entscheidungen zu kontrollieren und zu überdenken. 

Insofern ist bei mir eine gewisse Angst da Fehler zu machen, die dann schlimme Auswirkungen haben könnten.Martin Kniepkamp

 

Welches Ereignis im Dienst hat dich am meisten berührt?

Belastend sind Ereignisse dann,  wenn sie Menschen aus meinem direkten Umfeld also Familie, Freunde, Bekannte oder Feuerwehrkameraden betreffen.Martin Kniepkamp

 

Wie geht deine Familie damit um, dass du in der Feuerwehr bist?

Meine Familie hat mein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr immer begrüßt und unterstützt.Martin Kniepkamp

 

Was hast du in Zukunft für Ziele mit der Feuerwehr?

Meine Zielsetzung ist die Arbeit intern in einigen Bereichen transparenter zu gestalten und sofern möglich, im Team zu arbeiten. Wir haben viele Kameraden mit tollen Ideen und Fähigkeiten die es für die gesamte Feuerwehr zu nutzen gilt. 

Das wichtigste ist, dass die aktiven Kameradinnen und Kameraden Spaß am Dienst in der Feuerwehr behalten und wir neue Mitglieder hinzugewinnen können.Martin Kniepkamp

Was war bis jetzt dein schönstes Erlebnis in deiner Feuerwehrkarriere?


Bei einem Zimmerbrand, in einer Einrichtung für behinderte Menschen...

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